| Subject: Von Herrn Dr. Pr. Yves Martinet (Frankreich) |
| From: "Nicolas Villain" |
| Date: Fri, 11 Apr 2008 18:19:08 +0200 |
| To: "'MARTINET Yves'" |
| CC: |
À :
andrea.kdolsky@bmgfj.gv.at
Cc :
erwin.buchinger@bmsk.gv.at ; liana.kolm@bmgfj.gv.at ;
wilhelm.molterer@bmf.gv.at
Sehr
geehrte Frau Ministerin Kdolsky,
Als
Präsident der Arbeitsgruppe, die für die Vorbereitung, Umsetzung und Auswertung
der Massnahme für den Schutz der Personen vor den gesundheitlichen Risiken des
Passivrauchens in öffentlichen und Arbeitstellen in Frankreich zuständig ist,
erlaube ich mich Ihnen hiermit zu schreiben.
Unsere Arbeitsgruppe besteht u.a. aus den representativen Berufsorganisationen
der Horeca und der Gesundheit (S.u.) und handelt im Auftrag des französischen
Gesundheitsministeriums.
Mir ist bekannt, dass sich die Republik Österreich gegenwärtig mit
dieser wichtigen Frage beschäftigt. Da Österreich sowie
Frankreich den Artikel 8 des
WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauches ratifiziert hat,
der besagt, dass “wissenschaftliche Untersuchungen eideutig bewiesen
haben, dass Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität verursacht”, möchte
ich Ihnen hiermit, drei Monate nach der Einführung des absoluten Rauchverbotes
in allen Arbeits- und öffentlichen Stellen inkl. Horeca am 1. Januar 2008,
einige unserer ersten wesentlichen Ergebnisse kurz mitteilen. Diese wurden von
uns auch innerhalb einer gemeinsamen Pressekonferenz am 1. April 2008
vorgestellt.
Diese Hauptergebnisse sind:
Zu den gesundheitlichen Aspekte:
Ein Absinken um 15% der Anzahl der Herzinfakte im Zeitraum Januar
+ Februar 2008 im Vergleich zur selben Zeitspanne in 2007 wurde festgestellt.
Diese Abfallstendenz ist allerdings in den kommenden Wochen und Monaten zu
bestätigen. Dennoch ist sie mit ähnlichen Beobachtungen in der Region von Turin
und in Rom (- 11%), Irland (- 14,5%) und Schotland (- 17%) konsistent.
Bestätigt sich der Trend, sollte die Anzahl der Herzinfakte in Frankreich im
Jahr 2008 im Vergleich zu 2007 um ca. 10.000 Ereignisse fallen.
Zu den wirtschafltichen Aspekte, spezifisch den
Teil “Cafés und Gaststätte” des Horeca-Bereiches betreffend:
(S. Dokumente von Herrn Dr. Pr. Serge Vendemini,
Wirtschaftsexperte für das Institut für die Entwicklung der Cafés und
Gaststätte (Institut pour le développement des cafés et cafés –
brasseries (IDCCB)), jeweils an 3. und 4. Pos.
anbei.)
Ein leichtes Absinken um 3 bis 4% des Umsatzes der Cafés und
Gaststätte in Januar und Februar 2008 (im Vergleich zur selben Zeitspanne in
2007), das tatsächlich auf das Inkrafttreten des absoluten Rauchverbots
zurückzuführen ist, wurde festgestellt. Hinzu kommt ein weiteres, zusätzliches
Absinken in dieser Zeitspanne, und zwar um 3 bis 5%, das seinerseits auf die
allgemein schlechte Konjunktur (Absinken der Kaufkraft) zurückzuführen ist. Die
beiden Effekte summieren sich ungünstigerweise auf - 6% bis - 9% (
Dennoch: Cafés und Gaststätte, die ein dynamisches,
differenziertes, qualitatives und diversifiziertes Angebot aufweisen (z.B.:
breite, qualitative und originelle Getränkekarte, Angebot von Speisen (und
dieses möglichst zeitgenössisch und gesund getan), originelle Animationen,…),
nutzen die Reform auch von der ökonomischen Perspektive unmittelbar positiv aus
(allerdings nicht in allen Fällen ganz im ausreichenden Masse, um alle
negativen Effekte der derzeitigen allgemein schlechten Konjunktur vollständig
zu löschen).
Cafés, die ein enges, wenig qualitatives, wenig differenziertes
und preislich nicht angepasstes Angebot aufweisen und die ggf. überhaupt keine
Speisen anbieten,…,
Es wird erwartet, dass der insgesamt gemässigte, teilweise
negative wirtschaftliche Effekt, der auf das Inkrafttreten des absoluten
Rauchverbots am 01.01.2008 zurückzuführen ist (S.o.), in den kommenden Wochen
ganz verschwindet. Die Effekte der allgemein schlechten Konjunktur sollten
dennoch leider bestehen.
Eine Lehre aus der französischen Erfahrung könnte sein: Ein gesetzlicher Rahmen mit absolutem Rauchverbot stellt auch
unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt eine unmittelbar gute Bedingung dar
(in der Relation, da derzeitiger Kontext = allgemein schlechte
Konjunktur…), soweit sich die Lokale, auch angebotsmässig,…,
vorbereiten (S. oben: Cafés und Gaststätte, die ein dynamisches, differenziertes,
qualitatives und diversifiziertes Angebot aufweisen, nutzen die Reform auch
geschäftlich unmittelbar positiv aus). Deshalb könnte eine zeitige fachliche
Kommunikation, die nicht nur gründliche, gesundheitliche und juristische
Informationen (äusserst wichtig), sondern auch vertiefte geschäftspolitische
Verkaufsaspekte eingliedert, empfehlenswert sein.
Innerhalb des Horeca-Bereiches wurde
Zu den ersten gesundheitlichen
und ökonomischen Ergebnisse finden
Sie bitte anbei an 5. Stelle ebenfalls einen Artikel des
2.04.2008 aus der Tageszeitung für Wirtschaft
“Les Échos”.
Zum Schluss kurz zu zwei in den vergangenen
Jahren in Frankreich häufig diskutierten Punkte:
- Zum Vorschlag « Halbe-Halbe »
(« getrennte » Bereiche,…): Die Erfahrungen der damaligen
französischen Verordnung von 1992 sowie auch des relativ neuen spanischen
Gesetzes,…, zeigen, dass solche “Halbe-Halbe”-Vorrichtungen
Personen am Arbeitsplatz nicht schützen (Z.B. in der Gastronomie: Kellner
müssen sich überall in einem Lokal bewegen (können),…), Kunden auch nicht
schützen (Rauch ’’bewegt’’ sich ebenfalls überall in
einem Lokal,…), Unklarheiten (“Wo
genau darf man rauchen, wo nicht?”,…) und
Wettbewerbsverzerrungen schaffen (“Meine
rauchenden Kunden werde ich bestimmt verlieren, wenn ich in meinem Lokal das
Rauchen verbiete und mein Nachbar tut es nicht…?!”).
- Zum Argument “Unternehmensfreiheit”: Laut der
internationalen Arbeitskonvention von 1974 sowie einer europäischen Direktive
von 1989 wird der “Unternehmensfreiheit” insoweit (u.a.) eine Grenze
gesetzt, als Arbeitnehmer einem vermeidbaren Risiko, das ihre Gesundheit
bzw. Sicherheit bedroht, nicht ausgesetzt werden dürfen. (Es wird davon
ausgegangen, dass Passivrauchen ein vermeidbares Risiko darstellt, da es
möglich ist, nicht zu rauchen (oder nach draussen zu gehen, um zu
rauchen)).
Dieses Argument, was das Publikum betrifft, mag schwächer, dennoch
auch nicht unfundiert sein. - Hat ein
Unternehmer die “Freiheit”, ein Lokal mit Asbest zu bauen, und
Arbeitnehmer - und gar Publikum - aufzunehmen, selbst wenn er diese darüber
informiert, dass sie dem Asbest ausgesetzt sind…? –
Ich stehe Ihnen jederzeit für Fragen und allfällige Erläuterungen
zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Dr. Pr. Yves Martinet
Präsident der
Arbeitsgruppe « Rauchverbot »
Tel. + 33 1 55 78 85
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Groupe de travail
projet « Lieux de travail, lieux accueillant du public sans tabac »
confié par
avec la participation
de l’Institut national du cancer (INCa)
et de l’Institut
national de prévention et d’éducation pour la santé (INPES)
Comité national contre
le tabagisme (CNCT), organisation de coordination
119 r. des Pyrénées
– 75020 Paris – T. 01/ 55788510 – F. 01/ 55788511
Institut
pour le développement des cafés et cafés – brasseries (IDCCB)
Syndicat national de l’alimentation et de la restauration rapide (SNARR)
Syndicat national des discothèques et lieux de loisirs (SNDLL)
Syndicat national des hôteliers, restaurateurs, cafetiers et traiteurs
(Synhorcat)
Syndicat national de la restauration publique organisée (SNRPO)
Syndicat national de la restauration thématique des chaînes (SNRTC)
Union des métiers et des industries de l’hôtellerie (UMIH)