Umweltmed Forsch Prax 14 (5) 2009: 255-6: IRV09
Wasserpfeifenrauchen – Innenraumluftbelastung und Human-Biomonitoring
*H. Fromme1, S. Dietrich1, D. Heitmann2, H. Dressel3, J. Diemer2, T. Schettgen4, A. Seidel5, T. Schulz6, R.A. Jörres3, W. Völkel1
1Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Sachgebiet Umweltmedizin, 85764 Oberschleißheim
2Bayerisches Landesamt für Umwelt, 86179 Augsburg
3Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial-, Umweltmedizin, 80336 München
4RWTH Aachen, Institut und Poliklinik für Arbeits-, und Sozialmedizin, 52074 Aachen
5Biochemisches Institut für Umweltkarzinogene, Prof. Dr. Gernot Grimmer- Foundation, 22927 Großhansdorf
6Bundesinstitut für Risikobewertung, 14195 Berlin


Hintergrund: Das Rauchen von Wasserpfeifen hat eine lange Tradition in afrikanischen und asiatischen Staaten und wird zunehmend auch in den westlichen Staaten beliebt. Obwohl der
Hauptstromrauch von Wasserpfeifen eine Vielzahl gesundheitlich bedenklicher Substanzen enthält, gehen die Nutzer vielfach davon aus, dass die gesundheitlichen Risiken deutlich niedriger
sind als beim Zigarettenrauchen. Ziel einer Pilotstudie war es, die Innenraumluftbelastung mit tabaktypischen Fremdstoffen möglichst umfassend zu bestimmen und die interne Belastung von
Wasserpfeifenrauchern und Passivrauchbelasteten zu ermitteln.

Tab.1: Innenraumluftkonzentration an einem Kontrolltag und während
einer Wasserpfeifensitzung (Mediane Werte in Klammern sind 90.
Perzentile)


Methode: Die Innenraumluftmessungen erfolgten jeweils über 4 Stunden in dem gleichen Raum während eines Kontrolltages und an einem Tag, an dem 4 Personen eine Wasserpfeife rauchten.
Darüber hinaus waren 6 weitere Personen anwesend, ohne zu rauchen. Folgende Substanzen wurden in der Luft bestimmt: organische Substanzen (VOC), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Metalle, Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx) und die Partikelmasse (PM) sowie die Partikelanzahl (PNC). Darüber hinaus wurden verschiedene PAK-Metabolite
und Merkaptursäuren der tabaktypischen Substanzen im Urin vor und nach der Rauchbelastung bei den Teilnehmern bestimmt. Zusätzlich wurde Kohlenmonoxid in der Ausatemluft (eCO) bestimmt.
Ergebnisse: Die Ergebnisse der Luftmessungen während der Wasserpfeifenrauchsitzung und am Kontrolltag sind in der Tabelle 1 dargestellt und ergaben teilweise deutlich höhere Gehalte während des Rauchvorgangs. Besonders auffallend ist die hohe Belastung bei den massebezogenen und anzahlbezogenen Partikelmessungen sowie für einige organische Substanzen, Metalle und anorganischen Gase. Bei den PAK waren insbesondere die flüchtigeren Verbindungen deutlich erhöht. Auch bei einigen Merkaptursäuren und PAK-Metaboliten ergaben sich deutliche Unterschiede vor und nach dem Rauchen. So z.B. für den Metabolit des Benzols, die S-Phenylmerkaptursäure mit 0,2 vs. 2,4 μg/g Kreatinin oder die Summe der Naphthalinmetabolite mit 3,0 vs. 10,9 μg/g Kreatinin.
CO konnte fast dauerhaft oberhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes mit Gehalten bis maximal 68 ppm in der Raumluft bestimmt werden. Auch das eCO nach der Wasserpfeifensitzung war
um den Faktor 75 (Raucher) bzw. 10 (Passivraucher) höher.
Schlussfolgerung: Während des Rauchens einer Wasserpfeife muss mit einem erheblichen Anstieg gesundheitlich bedenklicher Substanzen in der Innenraumluft gerechnet werden, die auch für Passivrauchbelastete von Bedeutung sind. Diese tabaktypischen Substanzen lassen sich auch mithilfe des Human-Biomonitorings eindeutig nachweisen. Gezielte Untersuchungen, verbunden mit der Aufklärung der Bevölkerung sind in diesem Bereich dringend notwendig.

Andere Ergebnisse:
U.S.A.: Shisha-Passivrauch gefährdet Kinder

Canada ...new evidence that outdoor waterpipe smoke exposure can be substantial and concerning (2013)

Libanon ... In this study, we develop an alternative approach in which smoke generated by a human water pipe user is sampled directly during the smoking session. The method, dubbed real-time in situ sampling (RINS), required developing a self-powered portable instrument capable of automatically sampling a fixed fraction of the smoke generated by the user. Instrument performance was validated in the laboratory, and the instrument was deployed in a field study involving 43 ad libitum water pipe use sessions in Beirut area cafés in which we measured inhaled nicotine, carbon monoxide (CO), and water pipe ma'ssel-derived "tar." We found that users drew a mean of 119 L of smoke containing 150 mg of CO, 4 mg of nicotine, and 602 mg of ma'ssel-derived "tar" during a single use session (mean duration = 61 min). These first direct measurements of toxicant delivery demonstrate that ordinary water pipe use involves inhaling large quantities of CO, nicotine, and dry particulate matter.