Zigarettenstummel in Wien

Allein in Wien landen täglich über 2 Millionen Stummel auf der Straße, werden z.T. durch Autos zerrieben und mit dem Straßenstaub wieder eingeatmet oder gelangen mit ihren Giften in Boden und Grundwasser. Raucher, die sich angewöhnt haben, Stummel auf den Boden zu werfen, werfen oft auch die Verpackung hinterdrein. Je mehr schon am Boden liegt, desto niedriger wird für viele die Hemmschwelle, noch etwas dazuzuwerfen. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der MA 48 hat ergeben, dass rund 868 Millionen Stück Zigarettenstummel pro Jahr in Wien auf dem Boden landen: Die Raucher werfen 65 Prozent der im Freien gerauchten Zigaretten weg, dazu kommen 42 Prozent der im Auto gerauchten Zigaretten, die einfach aus dem Fenster "fliegen". Aneinander gereiht ergeben die in Wien im Jahr weggeworfenen Zigarettenstummel eine Strecke von 29.665 Kilometer und bringen mehr als 300 Tonnen auf die Waage!
Durch herumliegende Zigarettenstummel fühlen sich zwei Drittel der Nichtraucher und immerhin 40 Prozent der Raucher gestört.
Die MA 48 hat Papierkörbe bei Stationen von öffentlichen Verkehrsmitteln mit "Zigarettenrohren" ausgestattet. Zusätzlich ließ sie Taschenaschenbecher produzieren, die sie gratis an Raucher abgibt. So erfreulich diese Maßnahmen zur Vermeidung von Giftmüll auf der Straße sind, hätte dabei die Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie vermieden werden sollen: Die Tabakindustrie erinnert jetzt die Raucher an jeder Haltestelle mit einer überdimensionalen Zigarette, sich eine Zigarette anzuzünden, bevor die Straßenbahn kommt. Die wird dann hastig in das Rohr geworfen und glost dort in Atemhöhe weiter. Eine wesentlich bessere Maßnahme -im gesundheitlichen Interesse der gesamten Bevölkerung ist (einschließlich der Raucher)- wäre eine Reduktion der Raucherzahl durch Hilfe beim Ausstieg und besserem Jugendschutz vor den Verführungskünsten der Tabakindustrie.

Ein Sonderheft von Tobacco Control berichtet über Gefahren, die von Zigarettenstummeln ausgehen.